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Synchronstudios – Maßnahmen in der Coronakrise

Endlich wieder im Einsatz! Deutsche Synchronstudios haben nach ihrer Betriebsschließung aufgrund des Corona-Shutdowns seit dem 20. April 2020 wieder ihre Türen geöffnet, die Systeme eingeschaltet und die Arbeit aufgenommen. Dies freut natürlich auch die deutschsprachigen Zuschauer und Fans, denn ebenso wie viele Film- und Serienproduktionen gestoppt und aufgeschoben wurden, lagen auch Synchronisierungsprojekte auf Eis. Die Corona-Pandemie-Krise ist jedoch auf unabsehbare Zeit noch nicht ausgestanden. Der Sprachaufnahmebetrieb in den Synchronstudios steht dementsprechend einigen Umstellungen gegenüber, zu denen vor allem technische Schutzmaßnahmen gehören, die die nötige Sicherheit für die Gesunderhaltung aller Mitarbeiter gewährleisten.Ein kurzer Rückblick: deutschlandweite Schließung der Synchronstudios

Kurz nachdem am 11. März 2020 die WHO die Infektionskrankheit COVID-19 durch den Coronavirus SARS-Cov-2 von einer Epidemie zu einer Pandemie einstufte, die sich weltweit verheerend ausbreitete, kam es ebenso in Deutschland zum Lockdown (Ausgangssperre) und Shutdown (Stilllegung, Schließung) sowie zu Kontaktbeschränkungen. Eine immense Herausforderung, von der auch die Synchronbranche betroffen ist.

Am 18. März 2020 beschlossen der Deutsche Synchronverband e.V. – Die Gilde und Unternehmen der Branche verantwortungsbewusst als erste Maßnahme die Synchronstudios deutschlandweit zu schließen und den Betrieb mindestens bis zum 19. April vollständig auszusetzen. Die Synchronisierung von fremdsprachigen Film-, Serien- und Fernsehproduktionen wurde damit vorerst eingestellt, um alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, wie unter anderem Synchronsprecher, Cutter, Tonmeister, Regisseure und weitere Beteiligte gesundheitlich vor der Ansteckungsgefahr und Ausbreitung des Coronavirus zu schützen.

Während Synchronbetriebe und Mitarbeiter dadurch ebenso vor wirtschaftlichen Problemen und Risiken standen oder gar noch immer stehen, spürte auch das gespannte Publikum zu Hause – ganz besonders während der Ausgangssperre und Massenquarantäne – das Fehlen von synchronisierten Fassungen aus Kino, Film und Fernsehen. So manche Produktionen wurden von einigen Anbietern, wie z. B. Netflix als vorübergehende Notfalllösung zwischenzeitlich in der fremdsprachigen Originalvertonung mit deutschem Untertitel präsentiert. Ebenso wie bei langersehnten Fortsetzungen der einen oder anderen Lieblingsserie stellte sich auch hinsichtlich der Synchronisation die Frage: Wie kann es weitergehen?

Eine Frage der Qualität: Synchronstudio versus Homeoffice

Im Rahmen der Corona-Krise kam es vielfach zu einer Verlagerung der Arbeit vom Büro oder Geschäft ins private Homeoffice. Nachdem auch die Synchronstudios geschlossen wurden, kam auch in dieser Branche der Gedanke auf, die Arbeiten der Synchronisation im Homeoffice zu erledigen. Allerdings ist das Homeoffice nicht für alle Arbeiten, Berufe und Gewerke ein geeigneter Platz, wie z. B. die der Synchronsprecher.

Es spielen viele Faktoren eine entscheidende Rolle. Der heimische Wohnraum ist zunächst nicht wie ein professionelles Synchron- oder Tonstudio ausgestattet und bietet nicht die benötigte spezielle akustische Umgebung. Synchronsprecher verfügen zu Hause für gewöhnlich auch nicht über die erforderliche umfassende technische Ausrüstung. Nicht zuletzt ist die Synchronisation ebenfalls ein Zusammenspiel und eine Teamarbeit zwischen mehreren Beteiligten, wie z. B. der Synchronschauspieler, Cutter, Tonmeister und Dialogregisseure.

Not macht bekanntlich erfinderisch. Doch diese als „Cloud-Dubbing“ bezeichnete Alternative und Möglichkeit der Synchronisation im Homeoffice während der Corona-Krise ist für den Synchronverband e. V. – Die Gilde, den Bundesverband Synchronregie und Dialogbuch (BSD) sowie den Bundesverband Schauspiel e. V (BFFS) prinzipiell keine Lösung. Bei dieser würden Synchronsprecher ohne Cutter, Tonmeister und Regisseur allein zu Hause arbeiten, in ein Mikrofon sprechen und die Sprachaufnahmen in eine Cloud hochladen. Den hohen Ansprüchen in puncto Qualität und Sicherheit der nationalen und internationalen Synchron- und Filmbranche kann diese Methode der Synchronproduktion nicht gerecht werden.

Wieder am Start: Synchronstudios mit neuen Schutzmaßnahmen

Seit dem 20. April 2020 sind viele professionelle Synchronstudios in Deutschland wieder in Betrieb und Synchronsprecher samt Team vor Ort fleißig bei der Sprachaufnahme. Die Pause von circa einem Monat wurde mit der Unterstützung von arbeitsmedizinischen Diensten für spezielle Umbauten und die Einrichtung einer Reihe von technischen Schutzvorkehrungen genutzt, die auf die Corona-Situation abgestimmt sind.

Auch in Synchronstudios heißt es ab sofort in allen Räumen Abstand halten. Zur Vermeidung der Tröpfcheninfektion im Aufnahmeraum werden z. B. Trennwände aus Plexiglas aufgestellt. Synchronsprecher, Cutter, Regisseur und Tonmeister arbeiten mit einer räumlichen Abschirmung. Es werden Remote-Verbindungen zu anderen Räumen eingerichtet. Cutter, Tonmeister und Regisseur werden dem Synchronsprecher zugeschaltet.

Zur Verringerung des Risikos von Schmierinfektionen wurden ebenfalls Schutzmaßnahmen getroffen. Synchronschauspieler, Regie und Cutter arbeiten z.B. fortan mit digitalen Skripten. Zwischen Mikrofon und Synchronsprecher werden anstatt eines Pultes z.B. Abstände eingeräumt und Barrieren, wie eine Edelstahlkonstruktion aufgestellt. In einem Aufnahmeraum befindet sich höchstens ein Synchronschauspieler. Auf Ensembles wird vorerst verzichtet. Nach jedem Sprecherwechsel werden Räume gelüftet und Anlagen hygienisch desinfiziert. Diese und weitere verbindliche Schutzmaßnahmen ermöglichen Fortführung des Sprachaufnahmebetriebs in den Synchronstudios.

14. 04. 2020

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